Deadly Vibe Ausgabe 71 Januar 2003

Celebrity Vibe - Mark Atkins

Das Didjeridu nimmt inzwischen seinen Platz in der Weltmusik ein, im Jazz und in der experimentellen Musik. Vieles davon verdankt es dem sehr talentierten Mark Atkins.

Geboren in der westaustralischen Stadt Albany, hat Mark Atkins, ein Yamitji Mann, inzwischen den gesamten Globus bereist und seinen einzigartigen Didj-Sound mit Leuten aus unzähligen Ländern geteilt. Seine letzte Reise führte ihn zu einem Auftritt nach Montreal bei der prestigeträchtigen Messe für darstellende Künste CINARS.

"Ich spielte und dieser alte Indianer verstand es nicht." sagt Mark. "Er kam mit einem Übersetzer zu mir herüber. Der sagte, sie hätten hier ein Welt-Flöten-Festival und alle Flötenspieler seien zusammengekommen. Der alte Knabe wollte wissen was ich für ein Instrument spielte. Ich lachte und sagte: 'Das ist die Mutter aller Flöten'. Ich hab nur so einen Scherz gemacht, aber nach einer Weile dachte ich: ja, das stimmt."

Marks, wie er selbst sagt, zeitgenössischer Didj-Stil hat ihn mit einigen grossen Namen zusammengebracht, mit Robert Plant and Jimmy Page von Led Zeppelin, dem irischen Folk-Sänger Donal Lunney, James Morrison, Jenny Morris, John Williamson, Christine Anu und Tiddas.

Kürzlich trat er zusammen mit dem anerkannten modernen Komponisten Philip Glass in der Melbourne Town Hall und im New Yorker Lincoln Center auf. Das war nach Marks Ansicht, sein ungewöhnlichster Auftritt bisher.

"Philip spielte dies riesige Orgel. Ich weiss nicht mehr wieviel tausend Orgelpfeifen die hatte und ich spielte nur eine. Anfangs wusste ich nicht in welche Richtung das gehen sollte, aber am Ende war es, als hätte ich eine Unterhaltung mit diesem Instrument."

Für ein anderes Projekt wurde Mark 1996 eingeladen, mit den Londoner Philharmonikern in der Royal Festival Hall zu spielen. Seine musikalische Vielseitigkeit führt er auf die Tatsache zurück, dass er bereits in jungem Alter viele andere Musiker gehört und mit vielen anderen Musikern zusammengespielt hat.

"Über musikalische Techniken zu verfügen, versetzt mich in die Lage das Didj als Soloinstrument einsetzen zu können, während viele es nur als Begleitinstrument spielen. Ich kann auf den Beat spielen, dahinter, davor und immer noch das Soloinstrument sein."

Amerika, England, Spanien, Belgien, Schweiz, Korea, Singapore und die Segel des Opernhauses von Sydney sind nur einige Stationen, an denen Mark aufgetreten ist. Der stolzeste Augenblick für ihn kam jedoch, als er zurück in den Westen eingeladen wurde um beim Yamitji Festival in Geraldton zu spielen. [siehe Yamaji Man]

"Als ich mit dem Spielen begann, war es anders. Es gab viel Rassismus. Sydney war toleranter und so bin ich von zuhause weg und herumgereist. Dann haben sie angefangen nach mir zu rufen:'Komm nach Hause und spiel, Bruder.' So bin ich nach Hause gegangen und habe gespielt. Es war eine wahre Ehre, nach all den Jahren anerkannt zu werden und mit den Ältesten wieder in Kontakt zu kommen. Sie alle kannten meine Großeltern und meine Mutter. Das war einer meiner Höhepunkte."

Nur wenige Musiker können von sich behaupten, dass sie die Instrumente,auf denen sie spielen, selber bauen. Mark Atkins ist einer, der das kann. Er sammelt hohle Stämme im Busch im Nordwesten von NSW, und gibt ihnen den Feunschliff und bemalt sie. Über die Jahre, hat er an seiner Zirkularatmung gefeilt, so dass er heute eine ganze Reihe von Tierstimmen nachahmen kann: Krähe, Kakadu, Emu, Mopoke [Eulenschwalm], Kanguru und stundenlang ohne Unterbrechung durchspielen kann.

Die Musik hat es Mark erlaubt, die Welt zu bereisen und sich und seine Kultur auf eine Art und Weise auszudrücken, die Grenzen überschreitet. Nun, als Grossvater, hofft er, dass andere seinem Beispiel folgen werden.

"Nachdem es so lange ein altes Instrument war, ist das Didj auf einmal neu. Es ist eines der letzten Instrumente, das in die Weltmusik-Szene gelangt. Ich denke, unser Volk und unsere Kultur dahinter machen es interessant. Es macht mich traurig, wenn ich unsere jungen Menschen sehe und sie wie schwarze amerikanische Kids aussehen. Ich sage ihnen: 'Vergesst eure Identität nicht – wir haben so viele Möglichkeiten und eine so reiche Kultur hier.'"

* Original Worlaut des Artikels bei VIBE Australia

 

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