Mark Atkins bei Mark Colvin in der Sendung PM*
*hierbei handelt es sich um die deutsche Übersetzung eines Transkripts einer Radiosendung vom 22. Oktober 2002
Didgeridoo dringt in die Kammermusik vor
Obwohl das Didgeridoo für die Aborigines aus Nord-Australien ein heiliges Instrument ist, das bei Zeremonien gespielt wird, hört man dieses alte Instrument zunehmend in westlichen Klassik-Kompositionen.
Komponisten, wie beispielsweise Peter Sculthorpe und Philipp Glass, haben Stücke geschrieben, die den Rhythmus und die Textur des Didgeridoos mit westlichen Instrumenten verbinden, aber es hat erst einen Versuch gegeben, das Didgeridoo in eine klassische europäische Musikform einzubinden.
Peter McCutcheon war in der glücklichen Lage einer einzigartigen Vorstellung in Brisbane beizuwohnen, dem einzigen Didgeridoo-Konzert der Welt.
Peter McCutcheon: Die Szenerie kennen Millionen Menschen auf der ganzen Welt; formell gekleidete Mitglieder eines Kammerorchesters und ein Dirigent mit Taktstock. Der Solist jedoch ist kein Geiger in Abendgarderobe und kein Pianist im Smoking, sondern der Didgeridoo-Virtuose Mark Atkins in Freizeitkleidung. Das Konzert, Dance Gundah*, ist ein Werk des Brisbaner Komponisten und Professors für Musik an der Universität von Queensland, Philip Bracanin.
Philip Bracanin: Das ist das erste Mal, dass das Didgeridoo als Soloinstrument einem Orchester gegenübersteht. Es gibt andere Beispiele von Komponisten, die Stücke geschrieben haben, bei denen das Didgeridoo mitspielt, aber dabei sehr stark in die Textur und Kolorierung der Orchestermusik eingebunden ist.
Das ist die erste und einzige Möglichkeit für einen Didgeridoo-Spieler wirklich seine Virtuosität zu zeigen, wie ansonsten ein Pianist, Geiger, Klarinettist oder wer auch immer. Ja, ich habe ihnen im Anfangssatz eine Möglichkeit für eine Kadenz im traditionellen Sinne gelassen.
Peter McCutcheon: Phillip Bracanin sagt, die Idee ein klassisches Konzert für Didgeridoo zu schreiben stammt von dem deutschen Dirigenten Werner Andreas Albert, der diese Idee für eine Vorstelung in Brisbane vor vier Jahren hatte. Die Herausforderung dabei war ein Stück zu komponieren, dass die Würde und Integrität zweier musikalischer Kulturen nicht verletzt.
Philip Bracanin: Das Orchester gibt das Thema vor, der Wechsel in der Klangfarbe und das Zusammenspiel von Rhthmus und Klangfarbe findet im Wechselspiel zwischen Didgeridoo und Orchester statt. Im mittleren Satz versuche ich beispielsweise Krähen, Geräusche aus dem Busch und von anderen Vögeln einzufangen, wobei die Didgeridoo-Spieler natürlich dann traditionellerweise alle möglichen Arten von Tieren imitiert haben.
Peter McCutcheon: Der Didgeridoo-VirtuoseMark Atkins hat kürzlich zum ersten Mal Dance Gundah mit dem Kammerorchester der Universität Queensland in Brisbane aufgeführt. Er sagte, es sei anders gewesen, als jede andere Vorstellung, die er jemals gegeben hätte.
Mark Atkins: Ich spiele seit rund 20 Jahren Didge und ich wollte es schon immer aus dem Traditionellen herausführen, es auf einem grösseren Marktplatz präsentieren. Wenn man in das Englische Wörterbuch schaut und 'Didgeridoo' nachschlägt, sprechen sie dort von einem eintönigen Instrument. Was ich wollte, war, daraus ein lead instrument, ein Führungsinstrument zu machen.
Peter McCutcheon: Der Komponist von Dance Gundah, Philip Bracanin, sagt, dass einige Musiker das Gefühl hätten, es sei nicht der angemessene Einsatz für ein Didgeridoo, dass es zu weit entfernt von seiner eigentlichen Rolle als Instrument heiliger Rituale eingestzt wird. Was hältst du von solchen Kommentaren?
Mark Atkins: Also, man kriegt alle möglichen Kommentare, aber für mich persönlich ist es das, was ich tun muss, was wir alle auf eine Art tun sollten. Wir können uns nicht hinsetzen wie vor 50.100 Jahren, wir müssen uns vorwärts bewegen. Das ist was ich tue, was ich bin, sogar für die Aboriginals, an dem Ort von dem ich komme. Ich bin Yamaji, ich bin vom Stamm der Widi. Und wir sollten das als ein Volk tun.
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*Dance Gundah
Dance Gundah ist ein Konzert bei dem sich die Kulturen verbinden. Es bringt die, durch eine mündliche Tradition von mehr als vierzigtausend Jahren genährte urzeitliche Gesinnung des Didgeridoos und das Majestätische eines Symphonieorchesters zusammen, das erst seit etwa zweihundertvierzig Jahren existiert. In der letzten Zeit hat sich die traditionelle Rolle des Didgeridoos als Begleitinstrument für Sänger und Tänzer in heiligen und geheimen Zeremonien gewandelt und es findet seinen Platz in der populären Musik. Dance Gundah, bringt das Didgeridoo nun mit dem klassischen Symphonieorchester zusammen. Die vielen stimmlichen Akzente und die unterschiedlichen Emotionen vermischen sich mit dem Orchester und kontrastieren es, in ziemlich genau der gleichen Art und Weise, wie dies bei einem Soloinstrument in einem typischen Konzert der Fall ist.
Als er das Konzert komponierte, legte Philp Bracanin viel Wert darauf, die Würde und Integrität der beiden beteiligten Musikkulturen in Einklang zu bringen, ohne sie dabei zu verletzen. Sein Ziel war eine lebendige Symbiose, die in musikalischer wie auch in kultureller Hinsicht eine Brücke zwischen den beiden unterschiedlichen Welten schlagen und zur Aussöhnung beitragen sollte. Entstanden ist dabei ein wirklich multikulturelles Werk. In der westlichen Tradition eines Drei-Satz-Konzertes (schneller Anfangssatz, langsamer Mittelsatz, schneller Schlußsatz) treffen, vermischen und kontrastieren sich der spirituelle Ausdruck des Didgeridoos und der Glanz und die Präzision des Symphonieorchesters. Dance Gundah nimmt damit einen einzigartigen Platz in der Geschichte der westlichen Musik und in der Musik der Aboriginals ein.
