Didgeridoo-Virtuose Mark Atkins in Hamburg 2007
Ein privates Gespräch über das Didgeridoo-Spielen
*hierbei handelt es sich um die freie deutsche Übersetzung eines Teils eines Gesprächs, welches mit Mark Atkins anläßlich seines Didgeridoo-Konzerts "Roots - From the Dreamtime to the Meantime" über seine Rolle in der Didgeridoo-Szene, seine Wünsche, Träume und Hoffnungen in Glinde vor den Toren Hamburgs geführt wurde.
AT: Glaubst Du, dass Didgeridoo-Spielen hat zu einem besseren Verständnis der Kultur der australischen Aborigines in der Welt beigetragen? Kommen die Menschen nur wegen der Musik oder sind sie auch an dem interessiert, was hinter dem Instrument steckt und an der Geschichte derer, die es spielen?
Mark Atkins: Oh, da kommen viele verschiedene Dinge zusammen, aber das hängt auch ganz davon ab, wo man arbeitet. Was den ersten Teil der Frage anbelangt, so würde ich das bejahen: Es hat eine Menge Türen geöffnet, weil die Leute anfangen, Fragen zu stellen. Fragen über das Stück, das ich gerade gespielt habe und dann fangen wir auch an über die kulturellen Aspekte zu sprechen und nicht nur über das Instrument. Über die Menschen und ihre Geschichten. Aber für andere Didgeridoospieler stellt sich das vielleicht anders dar, weil sie einen anderen Hintergrund als ich haben. Die würden die Frage sicher anders beantworten.
AT: Mich würde wirklich interessieren, was es dir bedeutet Didgeridoo zu spielen bzw. ein Didgeridoo-Musiker zu sein. Was heißt das und was macht es mit dir?
Mark Atkins: Ich glaube es ist eine echte Herausforderung, einfach weil das Instrument nicht so bekannt ist. Zumindest war es das nicht als ich anfing es zu spielen. Erst in den letzten 15 bis 18 Jahren hat es sich neuen Boden erobert und es haben sich neue Formen entwickelt. Ich habe es miterlebt, wie das Didgeridoo aus der traditionellen Ecke bis in die Weltmusik vorgedrungen ist und jetzt sogar von der Weltmusik in den sogenannten Mainstream gelangt; nicht nur auf den Festivals, sondern inzwischen in jeden gewöhnlichen Haushalt. Es wird im Radio gespielt, man hört es auf den Sountracks, in den Kinos und das ist doch gut. Das Didgeridoo erorbert sich neue Räume. Das ist es glaube ich, was so spannend ist und mich weiterhin auftreten läßt. Ich will das Instrument in einem größeren Markt sehen und etablieren. Am Anfang war es nur ein Traum, den ich für mich persönlich realisieren wollte und jetzt sehe ich das Didgeridoo überall, überall. Und das ist natürlich auch gut für mich. Zu wissen, dass ich Teil dessen, dieser ganzen Didgeridoo-Spiel-Entwicklung, war und bin ist sehr befriedigend.
AT: Du hinterlässt also Fußstapfen !
Mark Atkins: Ja, ich habe Spuren hinterlassen. Auf jeden Fall in der Didge-Szene. Dort bin ich ein angesehener und respektierter Spieler und das ist gut zu wissen. Warum ich dort so angesehen bin, liegt glaube ich daran, dass ich anderen die Möglichkeit eröffnet habe zu spielen, Erfahrungen zu sammeln und das Didgeridoo an andere Orte und Plätze zu bringen, an denen ich noch nicht war.
AT: Wie ja bekannt ist, bin ich eine Frau. Ich habe gehört, dass es Frauen nicht erlaubt ist Didgeridoo zu spielen. Als ich in Australien war, habe ich aber Aborigine-Frauen rumsitzen und Didgeridoo spielen sehen. Die interessierte es nicht, wie es mal war. Ist das Didgeridoo nun ein Instrument das Frauen nicht spielen können oder gibt es physiologische oder psychologische Gründe warum Frauen kein Didgeridoo spielen sollten?
Mark Atkins: Das ist eine traditionelle Geschichte.
AT: Aber Tradition hat ja oft ihre Gründe.
Mark Atkins: Also um eine lange Geschichte kurz zu machen, die Gründe im Wesentlichen: es gibt Männerangelegenheiten und es gibt Frauenangelegenheiten. Didgeridoo ist eine Männerangelegenheit.
Das ist nicht einfach. Ich habe drei Töchter und zwei davon fummelten immer am Didge herum und wollten das Didgeridoo-Spielen lernen. Es war auch nicht einfach als die ersten Frauen in meine Didge-Workshops kamen. Die wollten mit mir sprechen und etwas über das Didgeridoo erfahren und es spielen. Ich habe zu der Zeit viel mit Orchestern gearbeitet. Das waren Hornistinnen, professionelle Musikerinnen. Du probst und spielst mit denen zusammen und die sind an deinem Didgeridoo interessiert. Denen kannst du schlecht sagen, du kannst auf keinem meiner Didgeridoos spielen. Das geht nicht, weil...Tradition und so weiter. Also begann ich sie zu unterrichten.
Im Grunde gehorcht es den Gesetzen des Landes. Ich habe mich mit afrikanischen Trommlern unterhalten, die traditionelle Rhythmen spielten und die unterrichteten Frauen. Frauen spielen in Afrika keine Trommeln und ich fragte, warum das so sei. Die Antwort war: Sie sind physisch zu schwach und es ist eine Sache der Männer. Einfach, weil man stark sein muss um stundenlang spielen zu können. Daraufhin fragte ich dann, wie es angehen könne, dass sie dann Frauen in Europa unterrichteten. Und sie sagten, es wäre nicht das Gleiche in einem anderen Land.
Dann habe ich einige von den Ältesten gefragt, was die davon hielten und die sagten dasselbe: Es ist das Gesetz des Landes. Die Sache ist also schwierig. Lies von 3ple-D zum Beispiel ist eine Didgeridoo-Spielerin und sie geht zu Djalu und Djalu unterrichtet sie. Es ist merkwürdig, manchmal macht er das und manchmal nicht. Lies und ich hatten ein gemeinsames Interview anlässlich eines Festivals in Frankreich und dort sagte sie, dass Männer anders an das Didgeridoo herangehen als Frauen. Frauen sind entspannter und nicht so aggressiv in ihrem Didgeridoo-Spiel. Das ist ein sehr interessanter Aspekt.
Also, wenn du die Zirkularatmung lernen willst, kannst du dir ein Jazz-Buch kaufen und es dir selber beibringen, aber ich denke Musik ist dazu da miteinander geteilt und erlebt zu werden. Musik muss wachsen können. Dann kann Musik nicht diese Barrieren aufbauen. Aber zuhause kann ich das akzeptieren. Allerdings ist es in schon schwierig für mich und für all die anderen Didgeridoo-Spieler ebenso.
