Mark Atkins im ABC Thursday Morning Gig*

*hierbei handelt es sich um die auszugsweise Abschrift eines Interviews in freier deutscher Übersetzung, das Kate Sieper am 21.11.2002 im ABC Thursday Morning Gig (Morning Show) im Radio führte

Moderne Didgeridoo Musik

Ich glaube es fing vor 28 Jahren an. Davor war ich Rock'n'Roll Schlagzeuger, aber ich wollte irgendwie mehr. Die Musik war zwar gut, aber sie hat mich mehr richtig befriedigt. Ich glaube, wir alle kennen das, dass wir aus etwas herauswachsen. Für eine gewisse Zeit ist es gut, aber dann muss es weitergehen. Ich wollte Musik immer machen um zu unterhalten. Das Didgeridoo hat einen freien Platz in mir eingenommen, mir Zugang zu vielen Dingen verschafft und mich wieder zurück zur Kultur meiner Mutter gebracht.

Wie war das, als du das erste Mal Didgeridoo gespielt hast?

Das war sehr frustrierend, wie alles am Anfang. Das erste, was man beim Didgeridoo-Spielen lernt, ist was wir zyklisches Atmen nennen. Das kann jeder, aber es ist wie bei den Kampfsportarten oder beim Schwimmen. Man musst das Atmen lernen, bevor man wirklich gut werden kann in dem was man tut. Es geht also um Atemtechniken und das ist schwer, weil du gewissermassen entgegen dem normalen Weg atmest. Wie wird das gemacht? Man nimmt einen Mund voll Wasser, wie ein Frosch, und spritzt es wie ein Springbrunnen heraus, nur nicht so schnell. Währenddessen atmet man ab und zu durch die Nase ein und versucht die Wangen aufgeblasen zu lassen. Das ist jedenfalls der Anfang.

Ist es nicht schwer, durch den Mund auszuatmen und gleichzeitig durch die Nase einzuatmen? Wer hat dir das beigebracht?

Das war mein Onkel. Ich hatte das schon einige Male gesehen als ich jünger war, aber ...na ja, viele Leute haben so ein Ding. Das Didgeridoo ist ein traditionelles Instrument und es hat seinen Platz bei Feierlichkeiten und Zeremonien. Was ich wollte, war etwas anderes. Ich bin ja, wenn man so will halb schwarz und halb weiss und saß auf einer Art Zaun. Ich wollte es da raus bringen und es weiter entwickeln. Aber zurück zu dem, als es mir von meinem Onkel Nanyura Watiri das erste Mal in die Hand gedrückt wurde. Er ist ein Sänger, Tänzer und Performer. Eine meiner Tante war gestorben und er war da und sang, tanzte in seiner traditionellen Tracht und spielte Didgeridoo. Beim Tanzen kam er an mir vorbei. Er schaute mich an, ich schaute ihn an und er gab mir das Didgeridoo. Ich sagte: "Ich kann das nicht spielen." und er entgegnete nur "Ach Junge, blas einfach rein." Er tanzte und sang weiter und ab und an bekam ich bei meinen Blasversuchen einen Ton heraus. Das war der Moment in dem ich wusste, das ist was ich will, das ist was ich machen werde! Ja, er hat mich auf den Weg gebracht.

Du hast es aber auf eine ganz andere Ebene gebracht. Du hast kürzlich mit Philip Glass an Kompositionen gearbeitet?

Ja, wir haben einige Projekte im nächsten Jahr anstehen. Ich bin gerade mit ihm in Melbourne aufgetreten. Früher in diesem Jahr waren wir im Lincoln Center in New York wo wir auch noch ein weiteres Konzert geben werden. Ich glaube ich habe in diesem Jahr fünf Monate auf Tour in Europa verbracht; bin vor einem Monat nach Australien zurückgekommen, dann gleich nach Korea und jetzt gerade wieder da. Nächste Woche geht es nach Montreal, Kanada und New York. Ich habe vor, nach Weihnachten dann nirgendwo mehr hin zu gehen.

Dann bist du eine Weile zuhause? Wie schwierig ist es, dass Didge als Instrument in der zeitgenössischen Musik zu nutzen?

Ich glaube, das hängt davon ab, wie man es benutzt. Ich benutze es mehr als lead instrument, als Führungsinstrument wenn man so will. Ich glaube allerdings, dass ich immer noch Schlagzeug auf dem Didge spiele. Wenn ich mit klassischer Musik arbeite, ist es etwas Anderes als im Jazz. Beim Reggae spiele ich es etwas anders und völlig anders beim Rock'nRoll oder beim Streichquartett. Ich setzte mich hin und höre einer Orgel oder einem Streichquartett zu oder ich höre mir eine Bläsersektion an, ein Cello oder was auch immer.Ich arbeite dann heraus, was die dort spielen und was dazu passen könnte und wie ich das komplementieren kann. Es ist mehr eine Unterhaltung, die ich mit einem Musikinstrument oder einem Teil eines Stückes führe.

Glaubst du das Didge wird seinen eigenen Platz in der Weltmusik-Szene einnehmen?

Ja, ich sehe, dass es damit losgeht. Für mich ist das die letzte Grenze, nicht nur was das Instrument angeht, sondern Australien überhaupt. Es gibt nicht viele Menschen, die etwas über Australien wissen. Wenn du in die Staaten klmmst, siehst und hörst du nichts über Australien, es sei denn, der Premier Minister wird von einem Hai gebissen oder so. Inzwischen wissen sogar die Amerikaner, was ein Didgeridoo ist. Vor zehn oder vor fünf Jahren bekam man Antworten wie: "Ach ja, ich kenn' so'n Didegeridoo. Das'n Survival Ding oder so." oder "Ah ja, Yothu Yindi" oder "Ja, das spielen die Aborgines da". Es ist das letzte Instrument, das in der Weltmusik noch fehlt und dazu kommen wird.

Musstest du jemals um die Herkunft des Didgeridoos streiten? Als ich durch Afrika reiste und sagte das Didge ist ein australisches Instrument, haben die Afrikaner das vehement verneint und gesagt es sei ein afrikanisches. Die Aboriginals seien erst später dazugekommen.

Ja, das kommt vor und es gibt ja auch Instrumente, zum Beispiel ein Instrument in der Türkei und eine ganze Reihe andere, die eine ähnliche Atemtechnik erfordern. Auch in Irland gibt es solche Instrumente, Blechblasinstrumente, bei denen wie beim Didgeridoo geatmet wird. Aber da muss man die Wissenschaftler fragen.

Als ich noch in West Australien wohnte, fuhr ich häufiger in einen Nachbarort, um den Didge-Spielern zuzusehen. Ich fragte einmal, ob ich es ausprobieren könne und sie sagten, Frauen dürfen nicht spielen.

Ja, warum dürfen Frauen nicht spielen? Das ist hart; wir leben im 20. Jahrhunder. Aber das ist traditionell begründet und wir wachsen hier damit auf. Ich weiss, dass es oben im Norden ein, zwei Frauen gibt, die spielen und sich einen Namen gemacht haben, aber im Großen und Ganzen spielen Frauen nicht, weil sie sagen, das ist Männersache. Es gibt Frauenangelegenheiten und es gibt Männersachen. Allerdings bringe ich heutzutage den Frauen in Europa und inzwischen auch hierzulande bei, wie man zyklisch atmet. Wenn ich Ihnen das zyklische Atmen beibringe, dann deshalb, weil diese Frauen - und Männer - ihr Spiel verbessern wollen, egal ob sie Trompete, Posaune oder ein anders Blas- oder Windinstrument spielen. Auch aus anderen Gründen, denn die Techniken der zyklischen Atmung sind auch gut gegen Asthma, helfen bei Problemen mit der Nase oder Atemwegserkrankungen generell. Ich glaube nicht, das das bisher grossen Einfluß hat, aber hier gibt es etwas, wo wir Didgeridoo-Spieler etwas tun können. Ich versuche da einzusteigen und es vor allem Kindern beizubringen. Ich möchte den Jungs das Didgeridoo-Spielen und die zyklische Atmung beibringen und ich bastele an einem Gerät, was ich den Mädchen geben möchte, damit auch sie eine Möglichkeit haben, das zyklische Atmen zu lernen.

Was zeichnet ein gutes Didgeridoo aus und woher kommen deine Didgeridoos?

Komischerweise habe ich gerade fünf in Amsterdam ergattert. Ich habe sie nicht gekauft, sondern so bekommen. Hätte ich sie kaufen müssen, so hätte mich das sechs bis siebenhundert Dollar gekostet für die fünf. Die wurden in Cairns für einen der größten Läden in Amsterdam gemacht. Normalerweisemach ich meine eigenen Didges, aber in den letzten paar Jahren hatte ich nicht viele Möglichkeiten um rauszugehen. Das braucht etwas Zeit. Alles, was ein gutes Instrument ausmacht, ist das Gewicht, die Holzstärke, weil es eine gute Resonanz haben soll und die innere Form, denn die bestimmt im Grunde die Tonlage. Die Leute denken immer, es ist die Länge, aber für mich ist es eine Kombination aus Länge und dem Luftraum im Inneren des Didgeridoos. Didgeridoo ist eigentlich ein keltisches Wort, das man dem Instrument gegeben hat. Wo ich herkomme, nennen wir es 'Wonga', was 'Atem' bedeutet. In New South Wales und Queensland wird es im Allgemeinen Yidiki oder Yirdaki genannt, aber es gibt viele verschiede Namen, denn es gibt viele verschiede Aborgine-Sprachen. Aber Didgeridoo ist ein keltisches Wort. Es gibt zwei verschiedene Schreibweisen 'didgeridu' oder 'didgeridoo'. Manchmal wird es auch mit 'j' geschrieben.

Und wie ist es zu diesem keltischen Wort gekommen?

Ich bin mir da nicht so sicher. Es gibt da zwei Geschichten. Eine geht davon aus, dass es eine Phrase ist, die gespielt wurde als die Weissen es das erste Mal gehört haben, wie 'didgeri didgeri didgeri didgeri didgeri didgeri doo doo doo didgeri doo digdgeri doo didgeri didgeri. Und die andere hat zu tun mit den Leuten die als erte mit dem Schiff hier ankamen. Es waren Schotten, die dem Instrument den Namen Didgeridoo gegeben haben. Ich kenne die genaue Geschichte nicht, aber sie ist allgemein bekannt.

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